Um es vorweg zu sagen - das ideale Model gibts nicht. Aber nach nun sechs Jahren meiner Erfahrungen als Foto-Amateur kann ich durchaus ein Fazit ziehen. Ich habe mein ideales Model vor zwei Jahren gefunden und wer schon in den Galerien war, weiß, wen ich meine - Marie "Grande".
Wie es dazu kam und welche Erfahrungen ich in diesen sechs Jahren so machte, will ich hier streiflichtartig darlegen.

Als ich 2013 den Entschluss fasste, es jetzt endlich mit Aktfotografie zu versuchen, hatte ich keine Ahnung, ob viel dabei herauskommen würde und was alles machbar wäre. Aber eines war klar - ein Model sollte selbstbewusst auftreten, Einsatzbereitschaft zeigen, eigene Ideen haben und vor allem leicht erreichbar sein, terminlich flexibel und zeitnah reagieren.
Anfangs sah es auch recht gut aus. Leider merkte ich oft spätestens einige Wochen nach dem ersten oder maximal zweiten Shooting, dass es entweder mit den Terminen oder mit der Kommunikation zu hapern begann. Wenn man mehrere Bewerberinnen für einen bestimmten Zeitraum hat und die terminlich unter einen Hut bringen will, während das Wetter macht, was es will, kann man nicht tagelang auf eine Antwort warten. Noch schlimmer sind nur noch diejenigen, die ohne Angabe von Gründen ein Shooting sausen lassen und nicht erscheinen.
Und wenns dann klappt, bin ich (als vielleicht altmodisch erzogener Mensch) davon überzeugt, dass Pünktlichkeit ein Ausdruck von Respekt und Höflichkeit ist. Ich bin stets mindestens 10-30 Minuten vor dem Termin vor Ort und habe in einer Großstadt voller öffentlicher Verkehrsmittel wenig Verständnis für Verspätungen von über 30 Minuten.
Die meisten der etwa 30 Models, mit denen ich es bis jetzt zu tun hatte, bekam ich nur ein- oder zwei-, maximal dreimal vor die Kamera, obwohl ich sie gerne öfter engagiert hätte. Einige meldeten sich nicht mehr oder waren nicht mehr zu erreichen und einige leben inzwischen anderswo, sogar jenseits des Atlantiks.
Meist suche ich meine Bewerberinnen ganz einfach per Anzeige bei Ebay-Kleinanzeigen oder craigslist.de. So kam ich auch mit Marie und ihrer damaligen besten Freundin in Kontakt. Da sie alles nur gemeinsam machen wollten, gabs also ein Doppel-Shooting und so kam Marie bei mir auch zu ihrem Beinamen "Grande", denn ihre Freundin Marie (!!!) war etwas kleiner und sollte in folgenden Shootings als Marie "Petite" firmieren. Zu letzterem kams leider nicht, aber die zurückhaltende Marie zeigte von Anfang an genau das Interesse am Job, das es als Model braucht und so häuften sich die Shootings mit ihr.
Niemand ist vollkommen und so zeigten sich auch sehr bald kleinere "Problemchen" beim Planen ihrer Shootings, denn Marie war EXTREM publikumsscheu und zeigte ständig ein besorgtes Gesicht. Natürlich lege ich es nicht auf Begegnungen mit Spaziergängern oder Radfahrern an und wähle Orte, an denen man relativ ungestört ist. Ganz vermeiden kann man es aber in einer Stadt wie Berlin nicht. Zwischen Feldern und Wiesen gibts Straßen, Wege und Trampelpfade, weil nun mal manche Menschen von A nach B wollen. Und selbst bei Entfernungen von 50-100 Metern machte sich Marie Sorgen darüber, was die Leute wohl von ihr denken würden, wenn sie da so nackt oder halbnackt vor einem Fotografen posiert.
Ich habe mir monatelang den Mund fusselig geredet, um ihr klarzumachen, dass hierzulande die allermeisten Menschen gut genug erzogen sind, um nach zwei Sekunden wegzuschauen und ihrer Wege zu gehen, ohne auch nur einen negativen Gedanken zu denken.
Ich habe bei knapp der Hälfte meiner Shootings solche Begegnungen - auch nahe mit nur wenigen Metern Distanz - erlebt und es gab nur Komplimente und nette Worte oder ein Grinsen, aber nie böse Worte.

Ein weiteres, wenn nicht sogar das wichtigste Thema ist Vertrauen - und nicht nur das des Models zum Fotografen, sondern auch umgekehrt. Hier hatte ich mit Marie viel Glück. Sie fasste sehr schnell Vertrauen, obwohl sie mit anderen Fotografen bereits negative Erfahrungen sammeln musste. Alle meine Ideen und Vorschläge für Shootings erkläre ich ihr (wie jedem anderen Model auch) vorher genauestens und sie kann jederzeit ablehnen, ohne dass ich deswegen böse werden würde. Einige wenige Male meinte sie zu bestimmten Ideen "nee, lieber nicht" und damit war das dann für mich erledigt. Eine halbe Stunde später fragte sie mich, ob wir das nicht doch probieren könnten ... jippie! Darum ist sie bisher auch die Einzige, bei der ich mich überhaupt traute, manche Vorschläge zu machen und wir reden hier von echten Handschellen im Bett bei ihr daheim, Kerzenwachs auf der Haut oder gar freizügigeren Nahaufnahmen.
Bis zum Sommer 2018 musste ich mit Rücksicht auf Maries Problemchen Kompromisse eingehen und mühsam sehr versteckte Locations suchen oder gar auf Indoor-Shootings zurückgreifen, die dem Namen und Ziel meiner Seite ja eigentlich widersprechen. Dann begann Maries Knoten zu platzen. Ich bewundere ihren Mut und ihr Bemühen, mehr zu wagen, sich nicht verunsichern zu lassen und wie sie es formuliert, "aus dem Arsch zu kommen". Sie hat sich in dieser Zeit beachtlich entwickelt und so allmählich greift bei ihr die Erkenntnis, dass Spaziergänger sich nicht im Mindesten dafür interessieren, was zwei Leute 50 Meter weiter auf der Wiese treiben.
Schon vor einer ganzen Weile sagte ich ihr, dass ich am liebsten nur noch sie engagieren würde, was natürlich nicht geht, weil nicht für jede Idee jedes Model passt. Also geht die Suche nach Talenten weiter und ich hoffe auf weitere Shootings mit ihr. Ich bezweifle allerdings, dass ich nochmal so jemanden wie sie finden werde.

An dieser Stelle soll Marie selbst zu Wort kommen.

Ich arbeite mit Ulli seit 2017 und ich muss sagen, dass ich dank ihm echt viel Selbstvertrauen bekommen habe! Toller Fotograf!!  Akzeptiert, sobald das Model etwas nicht möchte. Da ich bis dahin nur schlechte Erfahrungen gehabt habe, bin ich ihm dankbar für seine Geduld mit mir, weil ich selbst weiß, wie ich mich manchmal beim Shooting anstelle. Die Models sind bei Ulli gut aufgehoben. Ohne Sorgen und Angst. Bis heute bereue ich es nicht, dass ich ihn als Fotograf habe. Ein guter Freund und Fotograf, kann ich nur sagen! [Marie R., 07.06.2019 via WhatsApp]